FABIAN ZURBRIGGEN
 
   
   
 

 

Der japanische Zen Meister Sougen Yamakawa wurde oft gebeten, Kalligraphien zu schreiben. Da er in frühen Jahren noch eher ungeschickt in der Kalligraphie war, begann er sich darin zu üben. Mit der Übung bemerkte er auch immer mehr die qualitativen Unterschiede von guten und von schlechten Pinseln. Ein guter Pinsel muss die nötige Elastizität und Festigkeit des Pinselhaars haben, so dass er nach festem Druck wieder zurück in die Form findet und nicht platt bleibt.

 

Als er einmal in China auf Reisen war, kaufte er kurzentschlossen einen recht teuren Pinsel. Er wollte ihn auch gleich benutzen und sich in der Kalligraphie üben. Ob es wohl daran lag, dass das Pinselhaar aus Schafhaar bestand, jedenfalls hatte der Pinsel kein „Rückgrat“, wie man in der Umgangssprache sagt.

Er versuchte es mehrmals, aber alle Mühe war vergeblich. Es liessen sich einfach keine schönen Zeichen schreiben. Als er sich bei einem Experten erkundigte, sagte dieser: Du musst den Pinsel jeden Tag benutzen, ein oder zwei Zeichen genügen schon. Wenn du damit drei Jahre lang fortfährst, dann wirst du einen ausgezeichneten Pinsel mit schöner Festigkeit haben.

 

Kalligraphie

 

Es ist so, dass sich durch den täglichen Gebrauch allmählich im winzigen hohlen Innenraum des Pinselhaars durch das stetige Eindringen von wenig Tusche ein Kern bildet und der Pinsel schliesslich ein starkes „Rückgrat“ hat.

Pinsel, die von Anfang an gut zu gebrauchen sind, verlieren umgekehrt oft schon nach kurzer Zeit ihre Festigkeit.

 

„Ein guter Pinsel braucht drei Jahre bis er in Form ist.“ Auch im Zen gibt es eine Redewendung, die sagt „Drei Jahre auf dem Stein“, was bedeutet: Zen Training braucht mindestens drei Jahre Meditation auf einem Stein sitzend.

Man sagt auch: Um das Wesen zu erkennen, beginne bei der Form, erlerne die Form. Die überlieferte traditionelle Form, die seit alters her verfeinert und weitergegeben wird, ist frei von Überfluss und Verschwendung, sie macht Sinn. Es gibt vielerlei Arten von überlieferten Formen. Im Handwerk, in den Künsten, oder die Formen und Rituale im täglichen Umgang mit den Mitmenschen und viele mehr.

 

Im Zen Training z. B. wird in jeglichen Ritualen und alltäglichen Tätigkeiten eine strenge Einhaltung von Formen gefordert. Das geht soweit, dass selbst die Art wie man läuft, die Art des Sich-Kleidens, selbst wie man die Essstäbchen benutzt, alles strikt beachtet wird. Von den älteren Studenten beobachtet und zurechtgewiesen, erlernt der Neuling die täglichen Abläufe. Mit der Zeit reift das Verständnis für das der Form innewohnende Wesen, und die Form wird allmählich zur Selbstverständlichkeit. Im Zen bedeutet das auch, sich in Aufrichtigkeit und Natürlichkeit zu bilden.

Mir gefällt dieser Vergleich mit dem Pinsel. Und doch wundere ich mich. Wenn man dem Kind beibringt, „Danke“ zu sagen, wenn es etwas erhält, erlernt es dadurch einfacher Dankbarkeit?

Aus diesem Blickwinkel sollte man auch Traditionen und Konventionen betrachten. Durch die Tradition eignen wir uns ein Wissen an, das aus der Erfahrung gewachsen ist und nicht aufgrund von Logik und Rationalität zustande gekommen ist. Ein Wissen und Verständnis, das durch Nachahmung und Wiederholung mitgeteilt und weitergegeben wird. Das sich in Formen lebendig hält, welche sich über lange Zeit gebildet und an der Wiederholung geschliffen haben.

 

Logik und Wissenschaft hingegen verlangen die sofortige Nachvollziehbarkeit, nehmen nicht die Zeit für einen inneren Reifeprozess. Dagegen hat Althergebrachtes heute manchmal einen schweren Stand. Es muss sich vor der Wissenschaft und der Modernisierung behaupten. Unsere Ansichten müssen mit Logik nachvollziehbar sein. Aber kann die Wissenschaft in allen Lebensbereichen die nötigen Antworten geben?

Befreit von althergebrachten Formen und Konventionen, soll sich jeder individuell entwickeln und entfalten können, soll die eigene originelle Antwort auf Fragen des Lebens geben. Das wird heute bereits von Kindesalter an gefördert.

Können wir denn eigene originale Antworten geben, ohne erstmal bestimmte Umgangs- und Verhaltensformen und damit auch Haltung erlernt zu haben? Ohne unser eigenes Wesen wirklich zu begreifen?

 

Sicher ist nicht alles gut, bloss weil es Tradition ist, und schon gar nicht vollkommen. Ungutes muss man aufgeben und Traditionen wandeln sich. Mir scheint aber, heute wird der Wert von Tradition und Brauchtum oft verkannt.

Oder befreien wir uns zurzeit einfach von vielen althergebrachten Konventionen und Traditionen, um dann irgendwann deren wahren Wert wiederzuentdecken?

 

 

 
 
Hier finden Sie Informationen und Empfehlungen für die Schweizer Nationalratswahlen 2015. Ich stelle Ihnen wertvolle Kandidaten für den Nationalrat vor und gebe Ihnen eine Wahlempfehlung für den Ständerat im Kanton Wallis. In den Wochen vor den Wahlen werde ich auf dieser Webseite laufend meine Positionen und Gedanken zu aktuellen Themen veröffentlichen. Ausserdem finden Sie Informationen zur Politik der SVP. Ich hoffe, Ihnen bei der richtigen Wahl helfen zu können.
 
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FABIAN ZURBRIGGEN

 

Der japanische Zen Meister Sougen Yamakawa wurde oft gebeten, Kalligraphien zu schreiben. Da er in frühen Jahren noch eher ungeschickt in der Kalligraphie war, begann er sich darin zu üben. Mit der Übung bemerkte er auch immer mehr die qualitativen Unterschiede von guten und von schlechten Pinseln. Ein guter Pinsel muss die nötige Elastizität und Festigkeit des Pinselhaars haben, so dass er nach festem Druck wieder zurück in die Form findet und nicht platt bleibt.

 

Als er einmal in China auf Reisen war, kaufte er kurzentschlossen einen recht teuren Pinsel. Er wollte ihn auch gleich benutzen und sich in der Kalligraphie üben. Ob es wohl daran lag, dass das Pinselhaar aus Schafhaar bestand, jedenfalls hatte der Pinsel kein „Rückgrat“, wie man in der Umgangssprache sagt.

Er versuchte es mehrmals, aber alle Mühe war vergeblich. Es liessen sich einfach keine schönen Zeichen schreiben. Als er sich bei einem Experten erkundigte, sagte dieser: Du musst den Pinsel jeden Tag benutzen, ein oder zwei Zeichen genügen schon. Wenn du damit drei Jahre lang fortfährst, dann wirst du einen ausgezeichneten Pinsel mit schöner Festigkeit haben.

 

Kalligraphie

 

Es ist so, dass sich durch den täglichen Gebrauch allmählich im winzigen hohlen Innenraum des Pinselhaars durch das stetige Eindringen von wenig Tusche ein Kern bildet und der Pinsel schliesslich ein starkes „Rückgrat“ hat.

Pinsel, die von Anfang an gut zu gebrauchen sind, verlieren umgekehrt oft schon nach kurzer Zeit ihre Festigkeit.

 

„Ein guter Pinsel braucht drei Jahre bis er in Form ist.“ Auch im Zen gibt es eine Redewendung, die sagt „Drei Jahre auf dem Stein“, was bedeutet: Zen Training braucht mindestens drei Jahre Meditation auf einem Stein sitzend.

Man sagt auch: Um das Wesen zu erkennen, beginne bei der Form, erlerne die Form. Die überlieferte traditionelle Form, die seit alters her verfeinert und weitergegeben wird, ist frei von Überfluss und Verschwendung, sie macht Sinn. Es gibt vielerlei Arten von überlieferten Formen. Im Handwerk, in den Künsten, oder die Formen und Rituale im täglichen Umgang mit den Mitmenschen und viele mehr.

 

Im Zen Training z. B. wird in jeglichen Ritualen und alltäglichen Tätigkeiten eine strenge Einhaltung von Formen gefordert. Das geht soweit, dass selbst die Art wie man läuft, die Art des Sich-Kleidens, selbst wie man die Essstäbchen benutzt, alles strikt beachtet wird. Von den älteren Studenten beobachtet und zurechtgewiesen, erlernt der Neuling die täglichen Abläufe. Mit der Zeit reift das Verständnis für das der Form innewohnende Wesen, und die Form wird allmählich zur Selbstverständlichkeit. Im Zen bedeutet das auch, sich in Aufrichtigkeit und Natürlichkeit zu bilden.

Mir gefällt dieser Vergleich mit dem Pinsel. Und doch wundere ich mich. Wenn man dem Kind beibringt, „Danke“ zu sagen, wenn es etwas erhält, erlernt es dadurch einfacher Dankbarkeit?

Aus diesem Blickwinkel sollte man auch Traditionen und Konventionen betrachten. Durch die Tradition eignen wir uns ein Wissen an, das aus der Erfahrung gewachsen ist und nicht aufgrund von Logik und Rationalität zustande gekommen ist. Ein Wissen und Verständnis, das durch Nachahmung und Wiederholung mitgeteilt und weitergegeben wird. Das sich in Formen lebendig hält, welche sich über lange Zeit gebildet und an der Wiederholung geschliffen haben.

 

Logik und Wissenschaft hingegen verlangen die sofortige Nachvollziehbarkeit, nehmen nicht die Zeit für einen inneren Reifeprozess. Dagegen hat Althergebrachtes heute manchmal einen schweren Stand. Es muss sich vor der Wissenschaft und der Modernisierung behaupten. Unsere Ansichten müssen mit Logik nachvollziehbar sein. Aber kann die Wissenschaft in allen Lebensbereichen die nötigen Antworten geben?

Befreit von althergebrachten Formen und Konventionen, soll sich jeder individuell entwickeln und entfalten können, soll die eigene originelle Antwort auf Fragen des Lebens geben. Das wird heute bereits von Kindesalter an gefördert.

Können wir denn eigene originale Antworten geben, ohne erstmal bestimmte Umgangs- und Verhaltensformen und damit auch Haltung erlernt zu haben? Ohne unser eigenes Wesen wirklich zu begreifen?

 

Sicher ist nicht alles gut, bloss weil es Tradition ist, und schon gar nicht vollkommen. Ungutes muss man aufgeben und Traditionen wandeln sich. Mir scheint aber, heute wird der Wert von Tradition und Brauchtum oft verkannt.

Oder befreien wir uns zurzeit einfach von vielen althergebrachten Konventionen und Traditionen, um dann irgendwann deren wahren Wert wiederzuentdecken?

 

 

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