FABIAN ZURBRIGGEN
 
   
   
 

 

Der Zen Meister Gensho Hozumi, bei dem ich Zen übte, gestaltete jeweils eine Seite eines Jahreskalenders. Darin gab es jeden Monat eine Kalligraphie oder eine Tuschemalerei eines anderen Zen Meisters, die das Wesen des Zen ausdrückten.

Anfang des Jahres bei der Neujahrsfeier überreichte er jeweils diese Kalender an die Leute vom Dorf. Er zeigte den versammelten Leuten die Seite jenes Monats, die er gezeichnet hatte: es war eine anmutige meditierende Gestalt und er sagte dazu, die sei wirklich gut herausgekommen, die habe er schön gemalt!

Die Leute waren ein bisschen erstaunt und schmunzelten. In Japan ist man generell sehr zurückhaltend mit Eigenlob, und als Zen Meister erst recht, sollte man denken.

 

Wie kommt es nun, dass gerade ein Zen Meister so unbescheiden seine Leistung hervortut?

 

Andererseits, soll ich meine Leistung nicht auch selber anerkennen, so wie sie ist?

 

Es kann umgekehrt gar widerwärtig sein, wenn ich vor den Leuten mich und meine Leistungen herunterspiele und als gemein und nicht besonders gut darstelle, obwohl ich das gar nicht so denke. Obwohl ich vielleicht selber sehe, dass ich eine gute Leistung erbracht habe, oder das zumindest von mir glaube. Oder wenn ich bewusst bescheiden auftrete und mich insgeheim mit Bescheidenheit brüste. Und ich mich lieber sonne in meinen Vorzügen, dass ich ein so tugendhafter Mensch bin.

Unbescheidenes Auftreten ist nun mal nicht schön, aber vorsätzliche Bescheidenheit scheint auch nicht ganz ehrlich. Also wie soll ich mich denn verhalten?

 

Es gibt eine schöne Anekdote dazu:

Ein Weiser sagte zu einem Zen-Mönch: „Ich bin innerlich so frei und so sehr von allem losgelöst, dass ich nie mehr an mich selber denke, sondern nur noch an andere.“

Der Zen-Mönch erwiderte: „Ich bin innerlich so frei und so sehr von allem losgelöst, dass ich mich selbst betrachten kann, als wär ich ein anderer, und deshalb kann ich auch an mich selbst denken.“

 

Für mich liegt dort eine wichtige Erkenntnis und eine Einsicht in Grundzüge unseres Seins, nicht nur was Bescheidenheit betrifft. Generell, sind wir dann gut als Mensch, wenn wir zu uns selbst ebenso gut sind wie wir es zu einem anderen wären, wenn wir zu einem anderen ebenso gut sind wie wir es zu uns selber wären. Und diese Botschaft finden wir auch in den Worten „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“.

 

Bescheidenheit ist für mich nichts anderes als die Anerkennung der Wirklichkeit. Und Bescheidenheit als Tugend scheint mir gar nicht notwendig, wenn ich die Dinge reinen Herzens sehe. Erst die Unbescheidenheit verlangt nach Bescheidenheit. Erst wenn ich beginne, mich selber zu überschätzen und damit angebe, wenn ich das gesunde Gleichgewicht verliere, dann wird der Ruf nach Bescheidenheit laut.

 

 

 
 
Hier finden Sie Informationen und Empfehlungen für die Schweizer Nationalratswahlen 2015. Ich stelle Ihnen wertvolle Kandidaten für den Nationalrat vor und gebe Ihnen eine Wahlempfehlung für den Ständerat im Kanton Wallis. In den Wochen vor den Wahlen werde ich auf dieser Webseite laufend meine Positionen und Gedanken zu aktuellen Themen veröffentlichen. Ausserdem finden Sie Informationen zur Politik der SVP. Ich hoffe, Ihnen bei der richtigen Wahl helfen zu können.
 
start
FABIAN ZURBRIGGEN

 

Der Zen Meister Gensho Hozumi, bei dem ich Zen übte, gestaltete jeweils eine Seite eines Jahreskalenders. Darin gab es jeden Monat eine Kalligraphie oder eine Tuschemalerei eines anderen Zen Meisters, die das Wesen des Zen ausdrückten.

Anfang des Jahres bei der Neujahrsfeier überreichte er jeweils diese Kalender an die Leute vom Dorf. Er zeigte den versammelten Leuten die Seite jenes Monats, die er gezeichnet hatte: es war eine anmutige meditierende Gestalt und er sagte dazu, die sei wirklich gut herausgekommen, die habe er schön gemalt!

Die Leute waren ein bisschen erstaunt und schmunzelten. In Japan ist man generell sehr zurückhaltend mit Eigenlob, und als Zen Meister erst recht, sollte man denken.

 

Wie kommt es nun, dass gerade ein Zen Meister so unbescheiden seine Leistung hervortut?

 

Andererseits, soll ich meine Leistung nicht auch selber anerkennen, so wie sie ist?

 

Es kann umgekehrt gar widerwärtig sein, wenn ich vor den Leuten mich und meine Leistungen herunterspiele und als gemein und nicht besonders gut darstelle, obwohl ich das gar nicht so denke. Obwohl ich vielleicht selber sehe, dass ich eine gute Leistung erbracht habe, oder das zumindest von mir glaube. Oder wenn ich bewusst bescheiden auftrete und mich insgeheim mit Bescheidenheit brüste. Und ich mich lieber sonne in meinen Vorzügen, dass ich ein so tugendhafter Mensch bin.

Unbescheidenes Auftreten ist nun mal nicht schön, aber vorsätzliche Bescheidenheit scheint auch nicht ganz ehrlich. Also wie soll ich mich denn verhalten?

 

Es gibt eine schöne Anekdote dazu:

Ein Weiser sagte zu einem Zen-Mönch: „Ich bin innerlich so frei und so sehr von allem losgelöst, dass ich nie mehr an mich selber denke, sondern nur noch an andere.“

Der Zen-Mönch erwiderte: „Ich bin innerlich so frei und so sehr von allem losgelöst, dass ich mich selbst betrachten kann, als wär ich ein anderer, und deshalb kann ich auch an mich selbst denken.“

 

Für mich liegt dort eine wichtige Erkenntnis und eine Einsicht in Grundzüge unseres Seins, nicht nur was Bescheidenheit betrifft. Generell, sind wir dann gut als Mensch, wenn wir zu uns selbst ebenso gut sind wie wir es zu einem anderen wären, wenn wir zu einem anderen ebenso gut sind wie wir es zu uns selber wären. Und diese Botschaft finden wir auch in den Worten „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“.

 

Bescheidenheit ist für mich nichts anderes als die Anerkennung der Wirklichkeit. Und Bescheidenheit als Tugend scheint mir gar nicht notwendig, wenn ich die Dinge reinen Herzens sehe. Erst die Unbescheidenheit verlangt nach Bescheidenheit. Erst wenn ich beginne, mich selber zu überschätzen und damit angebe, wenn ich das gesunde Gleichgewicht verliere, dann wird der Ruf nach Bescheidenheit laut.

 

 

Hier finden Sie Informationen und Empfehlungen für die Schweizer Nationalratswahlen 2015. Ich stelle Ihnen wertvolle Kandidaten für den Nationalrat vor und gebe Ihnen eine Wahlempfehlung für den Ständerat im Kanton Wallis. In den Wochen vor den Wahlen werde ich auf dieser Webseite laufend meine Positionen und Gedanken zu aktuellen Themen veröffentlichen. Ausserdem finden Sie Informationen zur Politik der SVP. Ich hoffe, Ihnen bei der richtigen Wahl helfen zu können.
start